Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen Zur Fußzeile der Seite springen

Aktuelles

Werthmann-Werkstätten

Ein Tag, viele Welten – und neue Perspektiven

Mehr als ein Arbeitsplatztausch: Sichtwechsel dank „Schichtwechsel“

Die Teilnehmer vom Schichtwechsel 2026

Teilhabe beginnt mit Begegnung. Und manchmal braucht es dafür nur einen gemeinsamen Arbeitstag, neue Aufgaben und persönliche Gespräche, die den Blick verändern: Auf Tätigkeiten, Fähigkeiten und vor allem auf die Menschen dahinter. 
Genau diese Erfahrung ermöglichte der bundesweite Aktionstag „Schichtwechsel“ am 24. September. Beschäftigte der Werthmann-Werkstätten des Caritasverbandes in Südwestfalen und Mitarbeitende der Stadt Attendorn, ABA Beul global und der Aquatherm GmbH tauschten für einen Tag ihre Arbeitsplätze – und entdeckten dabei neue Perspektiven, gemeinsame Stärken und den Wert echter Begegnungen. Vom Rathaus in die Werkstatt, von der Werkstatt ins Industrieunternehmen oder auf den Baubetriebshof: Aus unterschiedlichen Arbeitsstätten wurden Orte des Austauschs und des gemeinsamen Lernens.

Fünf Beschäftigte der Werthmann-Werkstätten nutzten die Gelegenheit, neue Arbeitswelten kennenzulernen, eigene Fähigkeiten einzubringen und Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig erhielten die Mitarbeitenden der Partnerbetriebe als „Tagespraktikanten“ wertvolle Einblicke in die vielfältigen Arbeitsbereiche und Kompetenzen der Werkstatt. „Sie erleben hier unmittelbar, wie vielfältig berufliche Teilhabe und Wertschätzung bei uns gelebt wird“, so Kerstin Stahlhacke, Abteilungsleitung der Werthmann-Werkstätten Attendorn. 

Miteinander statt übereinander sprechen:
Tauschtag schafft Bewusstsein für die Bedeutung von Teilhabe

Genau darin liegt die Idee des Aktionstages der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (BAG WfbM): Menschen zusammenbringen, Vorbehalte abbauen und den Blick füreinander schärfen. Denn: „Viele Vorstellungen über die Arbeit von Menschen mit Behinderungen und die Arbeit mit ihnen entstehen dort, wo persönliche Erfahrungen fehlen“, betont Andreas Mönig, Gesamtleitung der Werthmann-Werkstätten. Verständnis entstehe vor allem dann, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen und den Arbeitsalltag des anderen unmittelbar erleben, Fragen stellen und Erfahrungen teilen. „Im Rahmen des Aktionstages können unsere Beschäftigten zeigen, welche Fähigkeiten und welches Engagement in ihnen stecken.“
Wie dies konkret aussah, zeigte sich an den verschiedenen Einsatzorten: Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil tauschte das Rathaus gegen Einblicke in die Montagebereiche im Industriegebiet „Askay“. Im Gegenzug unterstützte Bianca Wurm die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Attendorn und erstellte Beiträge für die städtischen Social-Media-Kanäle. 

„Der Schichtwechsel war für mich ein ganz besonderer Tag. Ich durfte den Arbeitsalltag in den Werthmann-Werkstätten hautnah kennenlernen und selbst in ganz unterschiedliche Aufgaben hineinschnuppern. Dabei habe ich viele neue Eindrücke gewonnen und großen Respekt vor der Arbeit der Beschäftigten, und Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und dem besonderen Betriebsklima, das den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellt, bekommen. Gleichzeitig war es schön zu erleben, wie selbstverständlich Teilhabe gelebt werden kann. Die Werthmann-Werkstätten sind ein Ort, an dem Menschen arbeiten, Verantwortung übernehmen und ganz selbstverständlich mitten im Leben stehen.“ (Christian Pospischil, Bürgermeister der Stadt Attendorn) 
Auch der Baubetriebshof wurde zum Lernort: Dirk Dornhöfer begleitete Thorsten Bade bei einem Einsatz im Stadtgebiet, half bei der fachgerechten Entsorgung von knapp einer Tonne illegal abgelagerter Alt-Reifen und freute sich über die Fahrt im Abrollfahrzeig mit Hakenlift. 

Bei ABA Beul global und der Aquatherm GmbH stand die gesamte Produktionskette im Mittelpunkt. Beschäftigte der Werthmann-Werkstätten erfuhren, welchen Weg ihre Arbeit in den Unternehmen nach der Fertigung in den Werkstätten nimmt und wie die Produkte weiterverarbeitet werden. Mitarbeitende der Betriebe lernten wiederum die Abläufe, Anforderungen und Qualitätsstandards der Werkstätten kennen. 

„Der Schichtwechsel hat uns gezeigt, wie wichtig Einrichtungen wie die Werthmann-Werkstätten sind. Hier geht es nicht nur um Arbeit, sondern auch um Teilhabe, persönliche Entwicklung und die Schaffung von Struktur im Alltag. Es war für uns eine wertvolle Erfahrung und hat unseren Blick auf Inklusion erweitert.“ (Sarah Schulte, Aquatherm GmbH)

„Die Vielfalt der Arbeitsaufgaben und die Möglichkeiten die die Werkstätten bieten, haben uns sehr überrascht und beeindruckt.“ (Mario Kaufmann, ABA Beul global)

„Es ist etwas Besonderes, die Arbeit des anderen nicht nur erklärt zu bekommen, sondern sie selbst mitzuerleben“, waren sich alle Beteiligten einig.

Ein Wechsel, der bewegt – Erfahrungen, die verbinden

Der „Schichtwechsel“ zeigte, wie viel entstehen kann, wenn Menschen ihre Arbeitswelt für andere öffnen: Fähigkeiten werden sichtbar, neue Kontakte entstehen und gegenseitiges Verständnis wächst. Für Kerstin Stahlhacke liegt genau darin der nachhaltige Wert des Aktionstages: „Unsere Beschäftigten verlassen ihre gewohnte Umgebung, zeigen, was sie können, und erleben Anerkennung für ihre Arbeit. Gleichzeitig entstehen Begegnungen, die bleiben.“ Die Verantwortlichen der Werthmann-Werkstätten danken der Stadt Attendorn, ABA Beul global und der Aquatherm GmbH für ihre Offenheit und die aktive Mitgestaltung dieses wertvollen Tauschtages.

 

Bild: Ralf Stupperich (Caritasverband in Südwestfalen e.V.)

Infobox:

Werkstattbetriebe sind der Inklusion, der Teilhabe und der beruflichen Rehabilitation verpflichtet

  • Die Werthmann-Werkstätten bieten seit über 50 Jahren Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit psychischen und/oder geistigen Einschränkungen – unabhängig ihrer Herkunft. In der Beruflichen Bildung „b.​punkt“ werden die erforderlichen Fertigkeiten vermittelt – praktisch und theoretisch.
  • Im Arbeitsbereich unterstützen die Werthmann-Werkstätten bei der täglichen Arbeit in der Montage, im Elektro-, Holz- oder Metallbereich, in der Gartenarbeit, im Lebensmittelladen oder in der Hauswirtschaft – ob per Handarbeit  der unterstützt von modernen Maschinen. Dies ist in den Werkstätten oder außerhalb in einem Betrieb möglich. Ziel ist immer: „Arbeit möglich machen“. 
  • An den Standorten in Attendorn, Lennestadt, Olpe und Welschen Ennest erfahren täglich 662 Menschen mit Behinderungen Teilhabe am Arbeitsleben. Davon sind 42 Menschen in den hiesigen Industrieunternehmen sowie bei Dienstleistern tätig und werden regelmäßig durch die Werkstätten betreut. 
  • Der jährliche Aktionstag „Schichtwechsel“, organisiert von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) zielt darauf ab, die Arbeitswelt von Menschen mit Behinderungen sichtbar zu machen und Vorurteile abzubauen. Deutschlandweit nehmen jedes Jahr zahlreiche Werkstätten und Unternehmen daran teil, um durch den Austausch zwischen verschiedenen Arbeitswelten die Inklusion zu fördern.
Ihre Ansprechpartnerin
Kerstin Stahlhacke
Abteilungsleitung